Allgemeines
Panzerwelse sind recht leicht zu züchten. Theoretisch ist diese Aussage
sicherlich richtig. Die Praxis sieht jedoch oftmals ganz anders aus. Von den
fast einhundertfünfzig Corydoras-Arten, die derzeit bekannt sind,
laichen höchstens zwanzig bis dreißig Arten bereitwillig ab. Für die
restlichen Arten benötigt man viel Geduld und auch einige Erfahrungen, bis die
ersten Nachzuchttiere im Aquarium schwimmen.

Mein Kellerraum mit der Zuchtanlage
Wer noch nie Corydoras-Arten gezüchtet hat, der sollte es erst einmal mit Corydoras aeneus

oder

Corydoras paleatus versuchen. Diese werden bereits seit Jahren von vielen Hobbyaquarianern vermehrt. Mit den dabei persönlich gesammelten Erfahrungen kann man sich dann an schwierigere Arten, wie zum Beispiel

Corydoras trilineatus oder

Corydoras
gossei herantrauen.
Grundvoraussetzungen
Die Tiere müssen „angesetzt“ werden. Darunter versteht man, dass ein
spezielles Ablaichaquarium eingerichtet wird, in dem die Elterntiere ungestört
sind. Ich verwende hierzu Vollglasaquarien mit den Abmaßen 50 x 30 x 30 cm.
Die Bodenscheibe wird mit einer zwei bis drei Millimeter dicken Schicht
feinstem Sand abgedeckt. Dieser verhindert, dass die Tiere an den Bauchflossen
und am Bauch selbst von Pilzen befallen werden. Dies tritt dann auf, wenn
Panzerwelse längere Zeit in Aquarien ohne Bodengrund gepflegt werden. Diese
Pilze bilden sich auf den blanken Glasscheiben, besonders auf der Bodenscheibe.
Um dieses zu vermeiden, muss täglich mit einem Pinsel oder einer Bürste die
Bodenscheibe gereinigt werden.
Auch die Seitenscheiben werden bei mir gesäubert. Hierbei erweisen sich
Sturisoma-Arten als nützliche Helfer. Ich konnte noch nie beobachten, dass
diese auch nur ein einziges Ei aufgefressen haben. In einem 40 l Aquarium genügen
ein bis zwei Tiere, um alle Seitenscheiben von Algen frei zu halten.

Filteranlage

Unumgänglich ist eine leistungsfähige Filteranlage. Beste Erfahrungen
habe ich mit motorbetriebenen offenen Außenfiltern gemacht, da diese eine Strömung
im Aquarium erzeugen. Für viele Corydoras-Arten ist dies möglicherweise
der entscheidende Punkt, um abzulaichen.
Wasserbeschaffenheit
Das Wasser im Ablaichaquarium sollte einen pH-Wert zwischen 6,5 und 7,5
und eine Härte von 10 Grad nicht übersteigen. Hat das Leitungswasser mehr als
15 Grad Härte, muss diese abgesenkt werden. Nur bei einem „eingefahrenen“
Aquarium darf destilliertes Wasser dazugemischt werden.
Frischwasser ist kein Fischwasser!
An diesen Satz sollten Sie immer denken, wenn ein Aquarium neu
eingerichtet wird. An ein mit Frischwasser aufgefülltes Aquarium darf nur ein
Filter, der mit gebrauchter Filterwatte bestückt ist, angeschlossen werden.
Nach drei bis vier Tagen Einlaufzeit können die ersten Tiere eingesetzt werden.
Bei meinen motorbetriebenen Außenfiltern besteht die obere Schicht immer aus
Tonröhrchen, die beim Reinigen nur mit kaltem Wasser leicht durchgespült
werden, damit die darin anhaftenden Bakterien nicht abgetötet werden. Während
der ersten Tage muss sparsam gefüttert werden, damit das Wasser klar bleibt.
Einrichtung
Die Einrichtung des Aquariums spielt eine untergeordnete Rolle. Wichtig
ist nur, dass einige Versteckmöglichkeiten für die Tiere vorhanden sind. Hierfür
bevorzuge ich Wurzelstücke, die das Wasser nicht mehr ansäuern, sowie Pflanzen
der Gattung Anubias.
Auswahl
der Zuchttiere
Bereits hier entscheidet sich, ob man Erfolg haben wird oder nicht. Tiere
ohne Laichansatz können keine Eier ablegen.
Es darf auch nur eine Art pro Aquarium „angesetzt“ werden, um zu
vermeiden, dass sich die Tiere untereinander paaren und Hybriden entstehen
(siehe Foto).

Selbstverständlich sollten nur gesunde Tiere ohne körperliche Mängel für
die Nachzucht ausgewählt werden.
Welse
richtig fangen
Wenn sich die ausgesuchten Zuchttiere in einem gut bepflanzten
Gesellschaftsaquarium befinden, so fängt man diese am besten mit einem größeren
viereckigen Kescher, indem man diesen schräg gegen die Frontscheibe stellt. In
den Kescher legt man zwei bis drei Futtertabletten. Nun muss man nur noch
abwarten bis die gewünschten Fische im Netz sind, um dann den Kescher gegen die
Frontscheibe zu schieben.
Wichtig ist, dass alle Netze mit denen Panzerwelse gefangen werden, aus
einem feinmaschigen Gewebe bestehen, damit die Tiere nicht mit den
Flossenstrahlen darin hängen bleiben.
Sollte man versehentlich ein normales Fischfangnetz benutzt haben und
sich die Tiere darin verfangen haben, so darf man auf keinen Fall mit Gewalt am
Flossenstrahl ziehen, denn dabei verletzt man sofort die Fische.
Meistens befreien sie sich selbst, wenn man den Kescher umgestülpt ins
Wasser legt. Kommen die Tiere nicht von selbst frei, dann muss man mit einem
scharfen Messer vorsichtig das Netz an der betreffenden Stelle aufschneiden.
Unterscheidung
der Geschlechter
Bei Jungtieren kann man Männchen und Weibchen fast nicht voneinander
unterscheiden. Bei erwachsenen Tieren erkennt man die weiblichen Tiere am größeren
Körperumfang.
Das zweite Unterscheidungsmerkmal liegt in der Form der Bauchflossen.
Schwimmen die Tiere frei im Wasser und sind die Bauchflossen abgespreizt,
erkennt man, dass bei männlichen Tieren diese viel spitzer als bei weiblichen
Tieren sind.
Futter
für Zuchttiere
Will man Panzerwelse zum Ablaichen bewegen, muss man besonders
abwechslungsreich füttern. Besonders gern wird Lebendfutter in Form von
Daphnien und Cyclops gefressen.
Ein entscheidendes, laichstimulierendes Futter scheinen für Corydoras-Arten
Enchyträen, Grindalwürmer oder Tubifex zu sein. Auch hier erweist es sich als
sehr vorteilhaft, den Bodengrund im Ablaichaquarium nur zwei bis drei Millimeter
hoch aufzuschütten. Die Tubifexwürmer können sich nicht im tiefen Bodengrund
vergraben und sind für die Welse immer erreichbar. Dieses Futter darf jedoch höchstens
ein- bis zweimal pro Woche angeboten werden, damit die Tiere nicht verfetten.
Frostfutter aus roten Mückenlarven sollte man dafür alle zwei bis drei
Tage reichen. Je nach Art verspeisen drei bis vier Tiere bis zu einem gehäuften
Teelöffel. Weiße oder schwarze Mückenlarven werden ebenfalls gerne
angenommen, ganz besonders, wenn ich diese selbst gefangen und eingefroren habe.
Ein besonderer Leckerbissen scheinen für die meisten Panzerwelse die
Futtertabletten zu sein. Hierbei muss man sehr vorsichtig dosieren. In ein 50
Liter fassendes Aquarium, welches erst wenige Tage in Betrieb ist, darf nicht
mehr als eine Futtertablette gegeben werden. Bei höherer Dosierung kann man ein
bis zwei Stunden nach der Fütterung eine leichte Trübung des Wassers
feststellen. In ein bereits mehrere Wochen, mit drei bis fünf Welsen besetztes
Ablaichaquarium, würde ich höchstens drei Futtertabletten geben, obwohl die
Tiere möglicherweise noch mehr fressen würden.
Wasserwechsel
Panzerwelse lieben klares, sauerstoffreiches Wasser, obwohl sie in der
Natur manchmal in trüben und teilweise stinkenden Gewässern vorkommen.
Durch ihre zusätzliche Atmung können sie in solchen Restwassertümpeln
überleben. Neben dem normalen Gasaustausch über die Kiemen, können sie auch
über den Darm atmen. Das heißt, sie können durch das Maul atmosphärische
Luft von der Wasseroberfläche aufnehmen. Aber so weit wollen wir es in unseren
Aquarien erst gar nicht kommen lassen.
Alle zwei Tage lasse ich über die Hälfte des Aquarieninhalts ab und
ersetze es durch frisches Leitungswasser. Auf diese Weise vermeide ich, dass
durch zu reichlich dargebotenes Futter sich die Wasserqualität verschlechtert.
Laichstimulierung
- Alle zwei Tage Wasserwechsel, wobei die Temperatur des frischen
Leitungswassers zwei bis drei Grad kühler gewählt wird, als die Temperatur im
Ablaichaquarium.
- Nachtabsenkung der Wassertemperatur bis zu vier Grad.
- Stärkeren Filter anschließen (besonders bei langschnäuzigen Arten
ist dieses sehr wichtig)
- Filterung über Torf, dadurch wird der pH-Wert leicht abgesenkt, jedoch
sollte er nicht unter 6 abfallen. Es ist eine ständige Kontrolle erforderlich.
Man kann auch zum Beispiel getrocknete, samenfreie Erlenzapfen verwenden (ein Zäpfchen
auf fünf Liter Wasser bei bis zu 10 Grad Gesamthärte). Bei Wasser über 15
Grad Gesamthärte destilliertes Wasser, jedoch nur in „eingefahrenen“
Aquarien, verwenden.
- Standortwechsel des gesamten Aquarium (näher zum Fenster).
- Abwechslungsreich füttern (Tubifex, Grindalwürmer und Enchyträen).
- Über alle Laichstimulierungsmaßnahmen genaue Aufzeichnungen führen,
damit man zu einem späteren Zeitpunkt nachlesen kann.
Balzverhalten
- Paarung
Bei einigen Panzerwelsarten wird das bevorstehende Ablaichen durch die Männchen
eingeleitet. Sie schwimmen unruhig umher und stehen mit abgespreizten Flossen
zitternd im freien Wasser.
Sind mehrere Männchen im Aquarium, so werden manchmal auch Scheinkämpfe
ausgeführt, wobei die einzelnen Tiere sehr unruhig durchs Aquarium schwimmen
oder zitternd nebeneinander stehen. Dieses Verhalten kann sich über mehrere
Tage, ja sogar Wochen, hinziehen.
Das gegenseitige Imponieren wird immer wieder durch Ruhepausen
unterbrochen. Die Männchen liegen revierbildend an bestimmten Plätzen, die sie
gegenüber anderen energisch verteidigen.
Sobald die Weibchen an den Scheiben auf- und abschwimmen oder durch
„Putzen“ von Blättern ihre Laichbereitschaft erkennen lassen, steigt die
Aufregung der Männchen.
Das Weibchen versucht jetzt nur noch gelegentlich, den
Werbungen der Männchen durch eine Ruhestellung am Boden zu entkommen.
Sobald das Weibchen den Ruheplatz verlässt wird es von den Männchen
erneut verfolgt.
Ihr Ziel ist es, vor den Kopf des Weibchen zu gelangen, wobei der Körper des Männchens gekrümmt ist und zittert.

Das Weibchen faltet ihre beiden Bauchflossen zu einer Tasche. Dahinein lässt
es je nach Art ein Ei oder auch bis über 30 Eier fallen.
In der T-Stellung sinken beide Tiere zu Boden. Dort verweilen sie noch kurze Zeit, bis das Weibchen eine geeignete Stelle zum Anheften der Eier auswählt.


Bereits bei der Suche nach einem geeigneten Ablageplatz für die Eier
wird das Weibchen schon wieder vom Männchen bedrängt.

Zwischen den einzelnen Ablaichvorgängen ruhen sich beide Partner aus.
Wenn kein Futter vorhanden ist, verzehren die Elterntiere manchmal den eigenen Laich. Die gesamte Eizahl variiert sehr stark.

Sie schwankt von ca. 25 Eiern bei Corydoras hastatus

bis über 800 bei Corydoras aeneus.
Die Eigröße ist ebenfalls sehr unterschiedlich, von 0,8 mm bis zu 2 mm.
Bei Wildfangtieren, die zum ersten Male „angesetzt“ werden, sind
oftmals die ersten zwei oder drei Bruten fast vollständig unbefruchtet. Später
stellt sich eine normale Befruchtungsrate von 50 bis zu 95 Prozent ein. Auch bei
Tieren, die eine einjährige Ablaichpause eingelegt hatten, konnte dieses
beobachtet werden.
Laichbehandlung
Viele Corydoras-Arten laichen nur dann ab, wenn geeignete
Versteckmöglichkeiten, sowie einige Wasserpflanzen, im Aquarium sind.
Hervorragend bewährt haben sich alle
Wasserpflanzen der Gattung Anubias. Die Weibchen heften gern die
Eier an die Unterseite der Blätter. Ins Wasser eingehängte Wollfäden werden
von vielen Panzerwelsen als bevorzugtes Ablaichsubstrat angenommen, jedoch darf
es nicht bis auf den Boden reichen, damit sich nicht Mulm oder Futterreste darin
festsetzen können. Eier, die an die Scheiben geklebt wurden, lassen sich
vorsichtig mit einer Rasierklinge ablösen oder mit den Fingern abrollen.
Die abgestreiften Eier werden in ein „Schlupfaquarium“ gegeben. Sind
nur wenige Eier vorhanden, genügt natürlich auch ein kleineres Aquarium aus
Plexiglas mit zwei bis drei Liter Fassungsvermögen oder einfach eine
Plastikschale.
Wichtig ist jedoch, dass an diese Schlupfbehälter ein Luftausströmer
angeschlossen wird. Die Wassertemperatur sollte zwischen 23 und 24 Grad gewählt
werden. Bei höheren Temperaturen schlüpfen zwar die Jungen früher, jedoch
liegt die Sterberate viel höher als bei niedrigeren Temperaturen.
Bis auf die Zwergpanzerwelse Corydoras habrosus, Corydoras hastatus
und Corydoras pygmaeus muss man den Elterntieren den Laich wegnehmen,
sonst würden sie sich den einverleiben.
Um ein rasches Absammeln der Eier zu ermöglichen, überführe ich die
Wasserpflanzen mit den angehefteten Eiern in ein 20-Liter-Aquarium, welches erst
kurz zuvor mit frischem Leitungswasser aufgefüllt wurde. Man darf es nicht versäumen,
ein Mittel gegen Laichverpilzung hinzuzufügen. Ich verwende hierfür am
liebsten „Cilex“, jedoch gebe ich nur eine halbe Tablette pro 20 Liter
Frischwasser ins Aquarium.