Panzerwelse
der Gattung Corydoras aus Brasilien
Selbst einmal zum Zierfischfang zu
reisen, um unsere Aquarienfische in ihren heimischen Biotopen zu beobachten, und
wenn möglich auch selbst zu fangen, ist der Wunsch vieler Aquarianer. Seit
vielen Jahren haben meine Frau und ich über 40 ferne Länder kennen gelernt. In
Südamerika galt unser besonderes Interesse den Welsen der Gattung Corydoras. Solche Reisen sind immer mit einigen Strapazen verbunden
und man sollte vorher genau überlegen, ob man dazu bereit ist. Touren durch
Dschungelgebiete in Südamerika haben noch immer Abenteuercharakter und man wird
sich manchmal dabei fragen, warum man dieses alles auf sich nimmt und dafür
auch noch viel Geld ausgibt. Man darf auch kein ängstlicher Typ sein, der unter
jeden Stein eine Giftschlange, oder im Wasser, die in den Horrorfilmen gezeigten
blutrünstigen Piranhas vermutet, die nur auf das nächste Opfer warten. Für
meine Frau und mich gehören die Begegnungen mit den wildlebenden Tieren zu den
eindrucksvollsten Reiseerinnerungen.
Im August packte uns wieder das
Fernreisefieber. Ziel war diesmal das Pantanal in Brasilien. Es ist nicht ein
Sumpfland wie oft behauptet wird, sondern ein riesiges Überschwemmungsgebiet.
Nach dem Amazonasgebiet ist es wohl das bedeutenste zusammenhängende und
intakte Ökosystem und ein Paradies für Naturfreunde.
Die beste Jahreszeit, um diese Gegend zu
bereisen und auch um Zierfische zu fangen, sind die Monate Juli bis September.
In dieser Trockenperiode gehen die Wassermassen soweit zurück, dass oft nur
noch Restwassertümpel übrig bleiben.
Ein Erlebnis besonderer Art ist es, wenn man
an diesen Tümpeln oder Flussläufen Aquarienfische fängt und dabei von
Hunderten von Augenpaaren der träge in der Sonne am Ufer liegenden
Brillenkaimane beobachtet wird. Nähert man sich bis auf zirka fünf Meter, den
bis zu drei Meter langen Echsen, dann flüchten sie ins Wasser und kommen erst
wieder heraus, wenn man sich möglichst regungslos am Ufer aufhält. Solange
sich diese Tiere nicht bedroht fühlen, braucht man sie nicht zu fürchten. Herr
Soares, zur damaligen Zeit ein hauptberuflicher Zierfischfänger, lehrte uns den
Gebrauch eines Wurfnetzes. Das ist gar nicht so leicht zu handhaben. Aber
bereits nach ein paar Versuchen zappelten die ersten Fische im Netz. Da ich mich
auf die Pflege und Zucht von Panzerwelsen der Gattung Corydoras
spezialisiert habe, war ich besonders an diesen Tieren interessiert. Immer
wieder konnten wir riesige Schwärme von Corydoras
hastatus in Ufernähe der Restwassertümpel ohne größere Probleme fangen.
Corydoras
hastatus ist derzeit der kleinste, wissenschaftlich beschriebene Panzerwels.
In einem gut bepflanzten Aquarium kann man diesen Wels gemeinsam mit anderen
friedlichen Salmlern zusammen pflegen. Man muss jedoch feines Lebendfutter oder
frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien füttern,
wenn die Tiere nicht verhungern sollen. Die Zucht dieses freischwimmenden
Panzerwelses ist nicht sonderlich schwer. Grundvoraussetzung ist, dass man einen
Schwarm von 10 oder mehr Tieren alleine in einem Aquarium mit einem Fassungsvermögen
ab 20 Liter pflegt. Die Einrichtung dieses Aquariums spielt eine untergeordnete
Rolle, jedoch sollte man einige feinfiedrigen Pflanzen einbringen, damit die
Tiere einige Versteckmöglichkeiten haben. Diese Wasserpflanzen dienen den
Tieren auch als Ablagestelle für ihre Eier. Da die Tiere ihren eigenen Laich
und auch die Jungtiere nicht selbst fressen, kann man in Laufe der Zeit sich
einen eigenen größeren Schwarm heran züchten. Bei diesen
„Ablaichaquarien“ verzichte ich auf den Bodengrund, denn dadurch kann ich
besser die Futterreste (abgestorbene Artemia-Nauplien)
absaugen. Bei allen anderen Panzerwelsen, die ich in speziellen Aquarien
„ansetze“, verwende ich Bodengrund.
Ein wunderschöner Anblick bietet ein mit
Pflanzen und Bodengrund eingerichtetes ca. 100 Liter fassendes Aquarium, welches
mit einem Schwarm von 50 Corydoras hastatus und einen größeren Schwarm
von Ziersalmlern (z. B. Nannostomus
marginatus) besetzt ist. Voraussetzung dafür ist, dass man den Tieren
feines Lebendfutter mindestens alle zwei Tage anbieten kann. Versuche Corydoras
hastatus nur mit Trockenfutter über mehrere Monate hinweg zu pflegen werden
fehlschlagen. Der zuerst imposante Schwarm von Corydoras hastatus wird immer kleiner, bis nur noch wenige Tiere am
Leben sind.
Ein ebenfalls freischwimmender Panzerwels aus
dem Rio-Guaporé-Flusssystem in Brasilien ist Corydoras
guaporé. Obwohl diese Tiere eine Gesamtlänge bis fünf Zentimeter
erreichen, muss auch diese Corydoras-Art
mit feinem Lebendfutter gefüttert werden. Für viele Panzerwelsliebhaber ist Corydoras
guaporé einer der begehrtesten Welse aus Südamerika. Gelegentlich bietet
der Handel Wildfangtiere zu einem recht hohen Preis an. Obwohl mir die Zucht
bereits geglückt ist, war bei mir die Ausbeute recht gering. Die Eier haben nur
eine Größe von 0,8 mm und die nach vier bis fünf Tagen bei 25 Grad C geschlüpften
Jungwelse müssen während der ersten Tage mit Infusorien angefüttert werden,
später können frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien
angeboten werden. Obwohl ich mir sehr viel Mühe mit dieser Art gegeben habe,
konnte ich innerhalb eines Jahres nur 30 Tiere großziehen. Ab und zu hört man,
dass Stückzahlen von fast 1000 Tieren zum Kauf als „Deutsche
Nachzuchttiere“ angeboten werden. Aufgrund meiner Erfahrungen zweifle ich
daran. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich einen Züchter kennen lernen würde,
der mir seine großen Zuchterfolge zeigen könnte, und es sich bei seinen Tieren
nicht um kleine importierte Wildfangtiere handelt.
Ähnlich zu Corydoras
guaporé sieht Corydoras
caudimaculatus aus. Auch dieser Panzerwels lebt im Rio Guaporé in der Nähe
von „Pontes e Lacerda“. Charakteristisch für diesen Wels ist der große,
scharf abgegrenzte, schwarzviolette glänzende Fleck im Bereich der
Schwanzwurzel. Corydoras caudimaculatus
fühlt sich bei Temperaturen zwischen 27 und 28 Grad C erst richtig wohl. Bei
niedrigerer Wassertemperatur ist er meist scheu und versteckt sich unter Wurzeln
oder anderen Einrichtungsgegenständen. Dieser Corydoras
ist der ideale Bodenbewohner für Aquarien, die mit Diskusfischen besetzt sind,
wenn die Temperatur nicht ständig über 28 Grad C liegt.
Bereits mehrere Aquarianer konnten diesen Panzerwels erfolgreich nachzüchten.
Ich hatte immer dann Erfolg, wenn ich zwei Paare oder drei Männchen und zwei
Weibchen ins „Ablaichaquarium“ setzte. Die Wassertemperatur stelle ich auf
27 bis 29 Grad C ein. Der pH-Wert liegt im Bereich zwischen 6,5 und 7,0 und die
Leitfähigkeit war unter 200 mS. Will man Panzerwelse zum Ablaichen bewegen,
muss man besonders abwechslungsreich füttern. Besonders gern wird Lebendfutter
in Form von Daphnien und Cyclops gefressen. Frostfutter aus roten Mückenlarven
kann alle zwei bis drei Tage angeboten werden. Weiße oder schwarze Mückenlarven
werden ebenfalls gerne angenommen, speziell wenn ich diese selbst gefangen und
eingefroren habe. Ein entscheidendes, laichstimulierendes Futter scheinen für
viele Panzerwelse Enchyträen, Grindalwürmer oder Tubifex zu sein. Hier erweist
es sich als sehr vorteilhaft, wenn der Bodengrund im „Ablaichaquarium“ nur
zwei bis drei Millimeter hoch aufgeschüttet ist. Die Tubifexwürmer können
sich nicht im tiefen Bodengrund vergraben und sind für die Welse immer
erreichbar. Tubifexwürmer dürfen nur ein- bis zweimal pro Woche gereicht
werden, damit die Tiere nicht verfetten. Die gesamte Eizahl bei Corydoras
caudimaculatus betrug bei meinen Tieren pro Ablaichgang ca. 50 bis 80 Stück.
Davon waren 70 bis 80 Prozent befruchtet. Die Eier habe ich in ein 20 Liter
fassendes Aquarium überführt, welches ich mit frischem Leitungswasser (bei mir
7,5 pH, LW 180 mS) auffülle. Die Temperatur stelle ich auf „nur“ 24 bis 25
Grad C ein. Nach fünf Tagen schlüpfen die Jungen und nach weiteren drei Tagen
können frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien als Futter angeboten werden.
Sehr ähnlich zu Corydoras
caudimaculatus sieht Corydoras similis
aus, der aus dem Rio Jamari, einem Nebenfluß des Rio Madeira stammt. Der bis zu
fünf Zentimeter groß werdende Panzerwels ist bei Temperaturen von 22 bis 26
Grad C problemlos zu pflegen. Auch dieser Panzerwels wurde bereits mehrfach
erfolgreich vermehrt. Meine Tiere laichten in einem 40 Liter fassenden Aquarium
ab. Die Wassertemperatur beträgt 24 Grad C, der pH-Wert 7,0 und die Leitfähigkeit
150 mS. Nach drei bis vier Tagen schlüpfen die Jungwelse und können nach
weiteren zwei Tagen mit frisch geschlüpften Artemia-Nauplien
angefüttert werden.
Bei vielen Panzerwelsarten gibt es von Aussehen her ähnliche Tiere, die
sich jedoch durch die Kopfform deutlich voneinander unterscheiden lassen. Als
langschnäuzige Tiere von Corydoras
similis kann man Corydoras ourastigma
bezeichnen, der im Rio Ituxi (Iquiri), 47 km östlich von „Rio Branco“
vorkommt. Diese Tiere werden bis zu sieben Zentimeter lang und bevorzugen
Wassertemperaturen von 23 bis 26 Grad C. Corydoras
ourastigma sollte in größeren Aquarien (ab 1 Meter Kantenlänge) gepflegt
werden, da besonders die männlichen Tiere untereinander häufig um die Gunst
der Weibchen werben und demzufolge recht schnell durchs Aquarium schwimmen. Auch
müssen genügend Versteckmöglichkeiten vorhanden sein, damit das verfolgte
Tier Schutz finden kann. Auch beim „Zuchtansatz“ müssen größere Aquarien
von mindestens 60 bis 80 Liter Wasserinhalt verwendet werden. Um Streitigkeiten
der Männchen untereinander zu verhindern, setze ich in so ein Aquarium nur ein
Männchen zu ein oder zwei Weibchen. Die Zucht von Corydoras ourastigma ist viel schwieriger als bei Corydoras
similis und erfordert sehr viel Geduld. Ein Patentrezept für die Zucht von
Panzerwelsen gibt es nicht, umso mehr freue ich mich immer wieder, wenn die
ersten Jungfische im Aquarium schwimmen. Zurück zu den Panzerwelsen, die wir im
Pantanal, südlich von Pocone gefangen haben. Bei Corydoras
polystictus glaubten wir eine neue Farbform entdeckt zu haben, da die Tiere
einen deutlichen Grünschimmer aufwiesen. Nach einigen Wochen heimischer Pflege
nahmen sie jedoch wie meine anderen Corydoras
polystictus eine hellbraune Grundfärbung an. Dieser Panzerwels wird in großen
Stückzahlen exportiert. Auch die Nachzucht von diesen Tieren ist im Aquarium
bereits mehrfach gelungen. Die Tiere werden paarweise oder zwei Männchen zu
einem Weibchen in ein ca. 40 Liter fassendes „Ablaichaquarium“ gesetzt. Bei
einer Temperatur von 24 bis 25 Grad C, einem pH-Wert von ca. 7 und einer Leitfähigkeit
unter 200 mS kleben sie 80 bis 120 Eier an die Frontscheibe des Aquariums. Die
Eier haben eine Größe von nur 1,2 mm. Bei einer Temperatur von 24 Grad C schlüpfen
die Jungen nach drei bis vier Tagen. Nach weiteren zwei Tagen müssen Infusorien
als Erstfutter angeboten werden, da selbst frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien für die winzigen Welse als Futter zu groß sind.
Den größten Fangerfolg hatten wir, als uns Tiere ins Netz gingen, die
damals noch nicht wissenschaftlich beschrieben waren. Mittlerweile ist dieser
wunderschöne Panzerwels als Corydoras pantanalensis von Herrn Dr. Knaack
beschrieben worden. Unmittelbar nach dem Fang zeigen alle Tiere eine hellbraune
Grundfärbung. Erst als sich die Welse im heimischen Aquarium eingelebt hatten,
war bei den männlichen Tiere ein wunderschönes Netzmuster zu erkennen. Herrn
Dr. Dinkelmeyer, der uns zusammen mit seiner Frau bei dieser Reise begleitete,
ist die Nachzucht bereits geglückt und er konnte die ersten Jungtiere an
interessierte Aquarianer abgeben. Dieser Panzerwels (früher als C5 bezeichnet)
unterscheidet sich von Corydoras
bolivianus durch die Querstreifung in der Schwanzflosse, die nur Corydoras
bolivianus zeigt. Corydoras bolivianus
konnte ich im Überschwemmungsgebiet des Rio Mamoré in der Umgebung von
„Trinidad“ in Bolivien fangen und zehn Tiere lebend mit nach hause bringen.
Nach fast einem Jahr laichten die Tiere dann auch zum ersten Mal ab. Über 300
Eier, die nur eine Größe von einem Millimeter haben, wurden an den
Seitenscheiben des 100 Liter fassenden „Ablaichaquariums“ angeheftet. Bei 24
Grad C, einem pH-Wert von 6,5 und einer Leitfähigkeit von 180 mS schlüpften
die Jungen nach vier Tagen. Nach weiteren 3 Tagen konnte ich die Tiere mit
Infusorien anfüttern. Nach weiteren fünf Tagen konnten frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien
angeboten werden. Da die Befruchtungsrate mit 80 bis 90 Prozent recht hoch war,
schwammen nun ca. 250 Jungwelse in dem 30 Liter fassenden „Aufzuchtaquarium“.
Nach vier Wochen begann ein Massensterben an dem ich selbst Schuld gewesen bin.
Ich hatte den Tieren eine zu große Portion von Artemia-Nauplien ins Aquarium geschüttet. Übrig geblieben sind nur
zwei Tiere, die sich als ein Pärchen herausstellten. Nach fast 8 Jahren Pflege
laichten die mitgebrachten Wildfangtiere nochmals ab und wiederum 1 Jahr später
(im August) ein weiteres Mal. Die Nachzuchttiere können demnächst (ab ca.
Januar/Februar 2002) an interessierte Aquarianer abgegeben werden.
Text und Fotos: Werner Seuß
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