Panzerwelse
aus Surinam
Surinam, halb so groß wie
Deutschland, war im August 1996 das Ziel einer Fischfangreise, die meine Frau
und ich auf eigene Faust unternommen hatten. Wir besuchten dieses südamerikanische
Land, um einige der hier laut Erstbeschreibung in den Flüssen beheimateten Corydoras-Arten zu fangen. Obwohl es im August normalerweise nicht
mehr regnet und die Trockenzeit beginnt, war es in diesem Jahr anders. Fast täglich
gingen gewaltige Regenschauer nieder und demzufolge führten alle Flüsse und Bäche
sehr viel Wasser. Immer wieder versicherten mir die Einheimischen, dass sie in
der Trockenzeit an verschiedenen Stellen Panzerwelse der Gattung Corydoras
gesehen hätten. Ich selbst konnte in einem kleinen Seitenarm des Nickerie River
bei Blanche Marie einige Corydoras erblicken,
die soweit wie ich es erkennen konnte ähnlich zu Corydoras
spilurus aussahen. Diesen Wels hatte ich ein Jahr zuvor in Französisch
Guyana gefangen. Mehrere Tage lang bemühte ich mich diese Tiere ins Netz zu
bekommen, jedoch ohne Erfolg. Durch den hohen Wasserstand war es aussichtslos
diese Welse mit einem Kescher zu fangen. Viel zu schnell waren die Fische unter
den vielen Wurzeln oder Steinen verschwunden. Als ich wieder zu Hause in
Deutschland war, musste ich immer wieder an diese Panzerwelse denken. Für mich
stand fest, diese Corydoras wollte ich
unbedingt haben. So schmiedete ich Pläne, wie ich bei meiner zweiten Reise nach
Surinam diese Fische doch noch erwischen könnte. Für diesen Zweck nähte mir
meine Frau aus einem feinen Gardinenstoff eine Senke. 16 Schnüre sind mit einer
Zentralschnur verknüpft. Sobald man daran anzieht, klappen die Seitenteile nach
innen, und die Fische sind wie in einem Sack gefangen. Die Trockenübungen
klappten hervorragend, aber wie würde es im Wasser funktionieren? Um ganz
sicher zu gehen, bestellte ich mir noch ein 5 Meter langes Zugnetz mit einer
Maschenweite von 4 mm. Damit wollte ich den Bach absperren und die Fische ins
Netz treiben. Bei unserer ersten Reise nach Surinam lernten wir Herrn Norman
Macintosh kennen, der uns mit seinem Fahrzeug in die Gegenden brachte, die man
nur mit einem allradgetriebenen Fahrzeug noch erreichen kann. Auch für diese
zweite Reise bot er wieder seine Dienste an, die ich gerne annahm, denn mit
Sicherheit hätte ich, wenn ich selbst am Steuer eines PKW gesessen hätte, so
manche Brücke nicht überquert. Die einzig vernünftige Flugverbindung nach
Paramaribo, der Hauptstadt Surnimans, besteht mit der KLM ab Amsterdam. Von den
meisten deutschen Flughäfen aus, werden Zubringerflüge nach Amsterdam
angeboten. Nachdem diese Fluggesellschaft das Monopol besitzt, ist der Flugpreis
recht hoch. Trotzdem entschlossen wir uns, diesem Flug zu buchen. Wie
abgesprochen, wartete Normen am Flughafen in Paramaribo. Bereits
beim Landeanflug nach Paramaribo bemerkten wir, dass dieses Mal die Bäche nur
schmale Rinnsale waren. Norman bestätigte uns dieses, als er uns mitteilte,
dass es seit zwei Wochen nicht mehr geregnet hatte, und dieses Mal wäre der
Zeitpunkt für eine Fischfangtour günstig. Unser letztjähriges Hotel in der
Hauptstadt hatte in der Zwischenzeit die Übernachtungspreise auf 139 US$ erhöht
und war nicht bereit uns einen Preisnachlass einzuräumen, obwohl die
Einheimischen in diesem Hotel für das Wochenendpaket, das von Freitag bis
Sonntag zwei Übernachtungen inklusive Verpflegung einschloss nur 80 US$
bezahlen müssen. Im Stadtzentrum fanden wir im Hotel Plaza sehr schöne Zimmer
sowie ein Restaurant mit Blick über die Stadt zu einem Preis von 60 US$ inkl.
Frühstück. Eigentlich wollten wir zunächst zwei bis drei Tage in Paramaribo
bleiben, aber Norman erzählte uns, dass eine der Brücken die auf den einzigen
Verbindungsweg nach Blanche Marie lag in der nächsten Woche wegen
Reparaturarbeiten gesperrt werden wird. Da ich unbedingt, die im Vorjahr in
einem kleinen Seitenarm des Nickerie Rivers gesehenen Corydoras fangen wollte, mussten wir bereits am folgenden Tag zu
dieser Tour aufbrechen. Nachdem Norman bereits mehrmals mit Freunden in diese
Gegend gereist war, wusste er genau welche Lebensmittel, Getränke und wie viel
Diesel wir mitnehmen mussten. Auch seine Frau Pennie, die sich mit meiner Frau
bei der ersten Reise angefreundet hatte, begleitete uns. Die gesamte Ladefläche
unseres Pickups war vollgeschlichtet mit den verschiedensten Sachen, die wir
mitnehmen mussten. Auch zwei Ersatzreifen waren dabei. Ersatzreifen ist gut
gesagt. Bei uns in Deutschland würde man solche Reifen in einer
Entsorgungsanlage abgeben. Es war dann auch nicht verwunderlich, dass wir
insgesamt vier Platten gefahren haben und deshalb auf die Hilfe anderer
angewiesen waren. Für die Surnamesen ist es fast selbstverständlich einen
anderen, der in Schwierigkeiten geraten ist, zu helfen. Nach knapp 12 Stunden
erreichten wir Blanche Marie, ein Naturschutzgebiet am oberen Nickerie River.
Ich konnte es kaum erwarten, in dem Flüsschen nachzuschauen ob die Corydoras,
die ich ein Jahr zuvor entdeckt hatte, noch da waren. Und wirklich, von einer
kleinen Brücke aus, konnte ich tatsächlich die Welse wieder munter
herumschwimmen sehen. Sofort holte ich die selbstgenähte Senke und legte diese
auf einer sandigen Stelle im Bach aus. Es dauerte mehrere Stunden bis die Welse
wieder an diesem Platz zurückkehrten. Mit Reis und Futtertabletten lockte ich
die Tiere in die Netzmitte, um sie dann durch schnelles herausziehen der Senke
zu fangen. Es gelang mir während der drei Tage auf diese Weise insgesamt vier
Tiere zu fangen, die ich auch lebend mit nach Hause bringen konnte. Dabei
erbeutete ich auch ein Paar von Apistogramma
steindachneri, das ich meinem Vereinskollegen zur Pflege und hoffentlich
auch zur Nachzucht übergeben konnte. Bei den von mir gefangenen Corydoras handelt es sich um Corydoras
heteromorphus. Eine langschnäuzige Art, die sehr ähnlich zu Corydoras
spilurus ist, den ich ein Jahr zuvor aus Französisch Guyana mitgebracht
hatte. Vergleicht man beide Arten miteinander so erkennt man, dass Corydoras
heteromorphus keine gebänderte Schwanzflossenstrahlen hat, dafür sind die
ersten beiden Rückenflossenstrahlen schwarz gefärbt. Corydoras heteromorphus wird bis sieben Zentimeter groß und lässt
sich bei Wassertemperaturen zwischen 23 bis 26 Grad C pflegen. Leider habe ich
es noch nicht geschafft, diesen Panzerwels nachzuzüchten. Mehr Glück hatte
mein Freund Robert. Nachdem ich ihn die Tiere überlassen hatte, schaffte er es
die Tiere zum Ablaichen zu bewegen. Ein Zuchtbericht darüber wurde in
VDA-aktuell Heft 4-2001 veröffentlicht.
Da der Nickerie River ebenfalls sehr wenig Wasser führte, glaubte ich
oberhalb des Wasserfalls an den sandigen Uferstellen weitere Corydoras
zu finden. Leider erfüllte sich meine Hoffnung nicht. Auch nachts konnten wir
keinen einzigen Corydoras erblicken.
Meine Frau und ich genießen es immer wieder in solchen klaren Flüssen zu baden
und die Fische im Wasser mit Taucherbrille und Schnorchel zu beobachten. Natürlich
gibt es in diesen Gewässern auch Piranhas. Sobald man eine Angel auswirft,
dauert es nicht lange bis ein Piranha am Haken ist. Lässt man sich mit dem
Einholen der Angelleine zu lange Zeit, passiert es immer wieder, dass der am
Haken zappelnde Fisch von anderen Piranhas angefressen wird. Wir wären
sicherlich noch ein paar Tage länger in Blanche Marie geblieben, mussten aber
bis zum 26. August um 18 Uhr die Brücke des Saramacca River passiert haben, da
sie ab diesem Zeitpunkt für 90 Tage gesperrt werden sollte. Immer wieder zeigte
ich einige Corydoras Bilder den
verschiedensten Leuten, in der Hoffnung sie könnten mir geeignete Fundstellen
nennen. Herr Henzen versicherte mir, dass wir im Tibiti River sicherlich Corydoras
sehen würden. Natürlich fuhren wir an den angegebenen Fundort und waren sehr
erfreut darüber, dass uns Corydoras
melanistius melanistius relativ problemlos ins Netz ging. Wir nahmen zehn
Tiere mit, und bis zu unserer Heimreise gaben wir diese zu Herrn Donner, der ein
Zoofachgeschäft besitzt, in Pflege. Herr Erwin Donner war sehr hilfsbereit und
freute sich mit uns über den guten Fangerfolg.
Corydoras melanistius melanistius
erreicht eine Größe von sechs Zentimeter. Er lässt sich bei
Wassertemperaturen zwischen 22 bis 25 Grad C recht gut pflegen. Ein schwarzer
Fleck, der im vorderen Bereich der Rückenflosse liegt, reicht nach unten bis
weit in den Körper hinein. Viele, sehr kleine dunkle Punkte, sind bis auf die
Bauchregion über den gesamten Körper verteilt. Eine schwarze Augenbinde, die
oben am Kopf zusammenstößt, reicht weit über das Auge hinweg nach unten. Ein
leuchtend goldgelber Streifen, der oben am Kopf zusammenstößt, verläuft
zwischen Augenbinde und Rückenflossenstachel. Corydoras
melanistius melanistius unterscheidet sich zu Corydoras melanistius brevirostris dadurch, dass bei Corydoras
melanistius brevirostris die Körperpunktierung und besonders die Bänderung
der Schwanzflossenstrahlen viel kräftiger ist.
Jetzt war ich so richtig im Corydorasfieber. Da wir in der uns zur Verfügung
stehenden Urlaubszeit nicht alle Gebiete, in denen es Panzerwelse geben sollte,
bereisen konnten, entschieden sich meine Frau und ich für den Lucie River in
der Umgebung von Amotopo. Diese Gegend kann nur per Flugzeug erreicht werden, da
die in den 70er Jahren errichtete Straße nicht genutzt wurde, und im Laufe der
Zeit wieder völlig zuwuchs. Südlich von Amotopo hat Frau Louise Gummels einige
Unterkünfte an einem Wasserfall errichten lassen. Dort können naturbegeisterte
Touristen in dieser atemberaubenden Gegend übernachten. Von diesem Ressort aus
wollten wir an den Fundort von Corydoras
filamentosus gelangen. Deshalb flogen wir von Paramaribo aus in einer
kleinen Privatmaschine zwei Stunden lang bis wir auf der Urwaldlandepiste bei
Amotopo landeten. Dann ging es mit einem Einbaum mit Außenbordmotor den
Corantijn River flussaufwärts bis zur Lodge. Hier verbrachten wir die erste
Nacht, um am nächsten Morgen in Richtung Lucie River zu fahren. In dieser
Region hatte es seit mehreren Tagen auch nicht mehr geregnet. Der Wasserspiegel
war gesunken und im Uferbereich entstanden Sandbänke, die jeden Südseestrand
in den Schatten stellten. Jeden Tag konnten wir mehrmals kreischende Aras, die
paarweise oder zusammen mit anderen Paaren über uns hinwegfliegen sehen. Wenn
man diese Tiere in freier Wildbahn erlebt hat, fragt man sich wie werden sich
diese geselligen Vögel alleine in einem Käfig als Haustiere fühlen. Stunde um
Stunde verging ohne dass es uns langweilig wurde, da die Landschaft einzigartig
schön ist. Immer wieder mussten wir kleinere Stromschnellen überqueren, um an
den Oberlauf des Lucie Rivers zu gelangen. Ca. 30 Kilometer flussaufwärts von
der Mündung des Lucie Rivers in den Corantijn River, schlugen wir unser
Nachtlager auf einer kleinen Insel im Fluss auf. Unsere beiden Indianer
errichteten aus Bambusstangen ein Gestell für unsere Hängematten. Obwohl sie
das schon öfters für sich selbst gemacht hatten, waren sie sich nicht sicher,
ob es auch für mein Gewicht Stand halten sollte. Nach einem Probeliegen war die
Haltbarkeit bewiesen. Bereits bei der Ankunft an unserem Lagerplatz konnte ich
die ersten Corydoras bicolor im
seichten Wasser sehen. Insgesamt 12 Tiere konnten wir problemlos fangen und
lebend mit nach Hause bringen. Dieser bis zu fünf Zentimeter groß werdende
Panzerwels lässt sich bei Temperaturen zwischen 23 bis 28 Grad C pflegen. Die Körpergrundfärbung
ist ein helles Silbergrau. Die Rückenflosse ist im unteren Bereich schwarz gefärbt.
Dieser Rückenflossenfleck reicht in den Körper hinein. Eine schwarze
Augenbinde, die oben am Kopf zusammenstößt, reicht weit über das Auge hinweg
nach unten. Corydoras bicolor besitzt
ebenso wie Corydoras burgessi einen
farbigen Fleck, der sich auf beiden Körperseiten der Hinterhauptsplatte
befindet und oben am Rückenfirst zusammenstößt. Bei Corydoras
bicolor leuchtet dieser Körperfleck gelb, bei Corydoras
burgessi gelborange.
Romeo, unser Guide auf dieser Tour, und die beiden Indianer versäumten
es nicht, ihre Angelhaken auszuwerfen. Sie konnten etliche ca. 30 cm große
Piranhas herausholen. Obwohl man diese Tiere durchaus essen kann, hatten sie
kein Interesse an diesen Fischen. Hier im Lucie River gibt es verschiedene Cichla-Arten
die unsere Indianer mit Pfeil und Bogen vom Ufer aus schießen konnten, um sie
anschließend über einen offen Feuer zu räuchern.
Angenehm überrascht war ich, dass es hier keine Moskitos gab, und so
konnten wir am Flussufer sitzend die Abenddämmerung genießen. Nach Einbruch
der Dunkelheit holten wir unsere starken Halogentaschenlampen heraus, um den
Uferbereich anzuleuchten. Dabei bemerkten wir, dass nur wenige Meter von uns
entfernt ein kleiner ca. 1 Meter langer Kaiman sich angeschlichen hatte. Er war
von unseren gefangen Fischen angelockt worden. Bis auf einen Meter ließ er uns
herankommen. Nachdem wir ihn einen Piranha gegeben hatten, blieb er noch einige
Zeit am Ufer liegen, bevor er sich ins Wasser zurückzog. Auch für uns war es
Zeit sich in unsere Hängematten zum Schlafen niederzulegen. Mehrmals in der
Nacht wurden wir vom Geschrei der Brüllaffen aufgeweckt oder auch von anderen
Geräuschen, die wir nicht bestimmen konnten.
Noch vor Sonnenaufgang stand ich auf, um die Stimmung am Flussufer zu
genießen. Über den Fluss lag ein Nebelschleier, der auch den gegenüberliegen
Uferbereich noch einhüllte, und es war ganz still. Erst als die ersten
Sonnenstrahlen den Nebelschleier durchbrachen, konnte ich die ersten Geräusche
wahrnehmen. Jetzt merkte man, dass die Tiere aufwachten und auch die Aras verließen
ihre Nachtruhestätten und überflogen mit lautem Gekreische den Fluss zu ihren
Futterplätzen. Auch in den folgenden Tagen bewunderten wir immer wieder diese
herrliche und ursprüngliche Naturlandschaft mit den Tieren. Da fiel es uns
wieder ein, dass am Corantijn-River ein großer Staudamm geplant ist. Die
gesamte Region würde zerstört und unter Wasser gesetzt werden, wenn das
Projekt verwirklicht werden sollte. Gott sei dank fehlt im Moment noch das benötigte
Geld für den Bau. Nach einigen Stunden im Boot erreichten wir eine kleine Insel
im Lucie River. Dort konnte ich weitere Corydoras-Arten, mit Hilfe unseres Zugnetzes recht schnell fangen.
Diese konnte ich als Corydoras bondi bondi
bestimmen. Corydoras bondi bondi erreicht
eine Größe von bis zu sechs Zentimeter. Ein breites schwarzes Band verläuft
in der Mitte des Körpers vom Kiemendeckel aus bis zur Schwanzwurzel. Sehr ähnlich
sieht Corydoras bondi coppenamensis
aus. Beide Arten unterscheiden sich dadurch, dass Corydoras
bondi bondi in der Schwanzflosse sechs bis sieben kräftig gefärbte
Querreihen zeigt und außerdem ist der erste Rückenflossenstrahl größer und
kräftig schwarz gefärbt.
Da das Wasser kristallklar war, konnte ich mit Taucherbrille und
Schnorchel die Fische im Uferbereich beobachten. Ich hoffte, dass unter den
vielen Corydoras bondi bondi auch
Tiere mit einer langausgezogenen Schnauze und einer weit ausgezogenen Rückenflosse
dabei wären die sich dann als die von mir so sehr begehrten Corydoras
filamentosus herausstellen würden. Leider erfüllte sich dieser Wunsch
nicht. Dennoch war dieser Schnorchelgang in dem Heimatbiotop der Corydoras
sehr faszinierend. Die letzte Nacht dieses Zierfischfangtrips schliefen wir
wieder in der Lodge.
Am nächsten Morgen konnte ich, bevor wir zurück in die Hauptstadt
abreisten, nicht weit entfernt vom Ressort Corydoras breei fangen.
Dieser nur drei bis vier Zentimeter groß werdende Wels besitzt eine
langgestreckte Körperform, dadurch unterscheidet er sich deutlich von Corydoras
boehlkei, der eine hochrückige Körperform hat. Corydoras
breei lässt sich recht leicht nachzüchten. Bei einem pH-Wert um 7 sowie
einer Leitfähigkeit von 150 bis 250 mS laichten die Tiere im Aquarium ab. Die
Eizahl betrug 30 bis 50 Stück, davon waren 70 bis 80 Prozent befruchtet. Aus
den 1,3 mm großen Eiern schlüpfen die Jungen nach drei bis vier Tagen. Sie können
nachdem sie den Dottersack aufgezehrt haben, sofort mit frisch geschlüpften Artemia-Nauplien
gefüttert werden. Wie vereinbart, wurden wir pünktlich von unserem Piloten
abgeholt. Wir genossen den fast zwei Stunden langen Flug über noch völlig
unberührten Dschungel nach Paramaribo zurück. Am Flughafen erwartete uns
bereits Norman, der uns mitteilte, dass wir bereits am nächsten Morgen zu einem
neuen von ihm organisierten Fischfangtrip aufbrechen müssen. Zuvor mussten
unsere im Lucie River gefangenen Fische noch versorgt und für sie eine
geeignete Bleibe gefunden werden. Bei Herrn Lucien K. Fernandes, einen
freundlichen Zoofachhändler aus Paramaribo, war bereit unsere Fische bis zur
Heimreise zu pflegen. Auch für ihn war es eine Selbstverständlichkeit uns zu
helfen. Am nächsten Morgen waren wir bereits um vier Uhr wieder auf Achse.
Diese Tour sollte uns zum Brokopondo Lake bringen. Dieser 80 km lange und 30 km
breite Stausee ist bei den Einheimischen als Anglerparadies bekannt. Norman und
seine Freunde hatten schon öfters einen solchen Mehrtagesausflug unternommen.
Auf drei Fahrzeuge verteilt, begleiteten uns zehn Männer. Als wir endlich am
Blommestein Meer angekommen waren, mussten unsere drei mitgeführten Boote ins
Wasser gelassen werden und die gesamte Ausrüstung, der Proviant sowie die persönlichen
Gepäckstücke darin verstaut werden. Endlich war dieses Problem gelöst und nun
fuhren wir bei praller Sonne über den See bis wir nach zwei Stunden an einer
bewohnten Insel anlegten. Nach Fertigstellung der Staumauer wurde das tiefer
gelegene Land überflutet und nur die Erhebungen ragen aus dem Wasser. Auf diese
Weise sind Hunderte von Inseln entstanden, die meisten haben einen feinen
Sandstrand. In den folgenden Tagen badeten wir im Uferbereich der
verschiedensten Inseln. Das tiefere Wasser sollte man meiden, da hier viele große
Piranhas vorkommen, die auch schon mal zubeißen können, wie uns die
„Buschneger“ erzählten. Die Buschneger sind ehemalige geflohene Sklaven,
die sich in den Dschungelgebieten versteckten, und dort Dörfer bauten. Einige
haben hier eine neue Heimat gefunden. Man kann nicht einfach eine
Buschnegerinsel betreten und dort sein Quartier aufschlagen, sondern man muss
immer zuerst den Dorfvorsteher um Erlaubnis fragen. Auch wir holten uns erst
dessen Einverständnis ein. Da einer unser Begleiter „Georg“ früher auf
dieser Insel gelebt hatte, hieß man uns herzlich willkommen. Sogar eine Hütte
wurde für uns ausgeräumt, damit wir unsere mitgebrachten Hängematten
aufspannen konnten. Für meine Frau und mich hatte Norman zwei Feldbetten
mitgenommen. Weil uns die Luft in der Behausung zu stickig war stellten wir
diese im Freien auf. Sehr überrascht waren wir, als es auch bei Einbruch der Dämmerung
keine Moskitos oder andere Plagegeister gab, und so konnten wir vor dem
Einschlafen den Sternenhimmel betrachten. Nachts wurde es recht frisch und wir
waren sehr froh, dass wir etwas Warmes zum Anziehen dabei hatten. Um 5.30 war es
mit der Nachtruhe vorbei. Ein Hahn hatte beschlossen, dass es nun für uns Zeit
wäre aufzustehen. Genau vor meinem Kopf stellte er sich hin und begann zu krähen.
Zunächst dachte ich, er wird schon wieder aufhören und Ruhe geben, aber dem
war nicht so. Sobald ich auch nur ein Auge öffnete, verstummte er. Sobald ich
es wieder schloss, fing er von neuen an. Erst als ich wach war und aufstand,
stolzierte er ab und wandte sich seinen beiden Hühnerdamen zu. Dieses
Schauspiel wiederholte sich täglich. Anscheinend konnte er es nicht sehen, dass
jemand nach Sonnenaufgang noch schläft. Aber ohne diesen Gockel, hätten wir
die eindrucksvollen Sonnenaufgänge nicht erlebt. Nach einem Morgenspaziergang
und einem erfrischen Bad im See fuhren wir mit Georg, unseren Buschneger Guide,
verschiedene Inseln an, in der Hoffnung hier im Uferbereich einige Corydoras
zu erblicken, leider ohne Erfolg. Wir beschlossen in den Zuflüssen des Sees
unser Glück zu versuchen. Nachdem der Wasserspiegel im See ebenfalls abgesunken
war, konnten wir die Mündungen der Flüsse nicht mit den Boot erreichen. Wir
mussten uns einen Weg durch den Dschungel schlagen, um an bestimmte Stellen, an
denen wir Corydoras vermuteten, zu
gelangen. Nach einem 45-minütigen Fußmarsch erreichten wir an einen kleinen
Bach in dem die Buschneger bereits Corydoras
gesehen hatten. Jetzt in der Trockenzeit führte der Bach nur noch sehr wenig
Wasser und die Panzerwelse hatten sich vermutlich in tiefere Bereiche des Baches
zurückgezogen, die inmitten des fast undurchdringlichen Dschungels lagen. Auf
unserem Rückweg zum Boot entdeckten wir eine ca. 30 cm große Schildkröte.
Sofort zückten unsere Begleiter das Buschmesser. Jetzt wurde ich richtig wütend
und gab meinen Begleitern zu verstehen, dass man nicht alles für den Kochtopf
mitnehmen sollte. Ich musste sogar so weit gehen, dass ich den Buschnegern
drohen musste, für diesen Trip kein Trinkgeld zu geben, wenn sie die Schildkröte
mitnehmen würden. Wieder zurück auf der Insel erzählten meine beiden
Begleiter den anderen Dorfbewohnern, dass ich ihnen eine schmackhafte Mahlzeit
verwehrt hatte. Es war deren einhellige Meinung, dass ich nur Gast in diesem
Land sei, und mich eigentlich nicht um solche Angelegenheiten zu kümmern hätte.
Ich erwiderte, dass die Bundesrepublik Deutschland bei verschiedenen Projekten
wie den Bau der Staumauer, Krankenhäusern oder Schulen mit finanziellen und
materiellen Mitteln mitgeholfen hätte und wir dann auch mitreden könnten, wenn
es zum Beispiel um Umwelt- und Tierschutz geht. Danach hatte ich Ruhe, jedoch
glaube ich, dass keiner meinen Standpunkt verstanden hatte.
Am nächsten Morgen begleitete uns ein weiterer Buschneger, der mir
versicherte, er kenne einen Platz an dem ich auch in der Trockenzeit Corydoras
finden könnte. Vom Uferbereich des Sees mussten wir uns einen Weg durch den
Dschungel schlagen, um diese Stelle zu erreichen. Mehrfach fragte ich, wie weit
es noch sei, und bekam immer wieder die Antwort: „Wir sind gleich da“. Nach
1,5 Stunden erreichten wir unser Ziel. Es war ein Bach mit kristallklaren
Wasser. Noch bevor ich nach Corydoras
Ausschau hielt, wollte ich ein erfrischendes Bad nehmen, um meinen Körper abzukühlen.
Ich war bereits bis zu den Hüften im Wasser und wollte gerade den Kopf unter
Wasser tauchen, als ich unter einem Baum der im Wasser lag , eine ca. 2 Meter
lange Anakonda erblickte. Sofort rief ich nach meiner Frau, die mir meine Kamera
brachte. Nachdem der Kopf der Schlange nicht zu sehen war, wollten wir die
Anakonda etwas aus ihrem Versteck locken. Sofort zog sie sich unter die überhängende
Böschung zurück und war für uns verschwunden. Jetzt konnte ich endlich mein
so sehr ersehntes Bad nehmen. Nachdem ich auch ca. 3 Liter Flusswasser getrunken
hatte, um meinen Flüssigkeitsverlust auszugleichen, suchte ich die Panzerwelse.
Vom Uferbereich konnte ich zwei Corydoras-Arten
erkennen. Mit meinem Zugnetz war es nicht schwierig insgesamt 13 Tiere zu
fangen. Es handelte sich um Corydoras
punctatus, den wir bereits ein Jahr zuvor im Surinam River bei Brokopondo
gefangen hatten und um Corydoras aeneus,
der uns einige Tage zuvor bei Blakawatra ins Netz ging.
Corydoras punctatus wird nur
3,5 Zentimeter groß. Bis auf die Bauchregion ist der gesamte Körper mit vielen
sehr kleinen Punkten bedeckt, die keine erkennbaren Linien ergeben. Sehr ähnlich
ist ein Corydoras, den ich 1993 im Rio
Mamoré bei „Trinidad“ in Bolivien gefangen habe. Er unterscheidet sich von Corydoras
punctatus aus Surinam durch die etwas größeren Körperpunkte, jedoch sind
die Unterschiede nur erkennbar, wenn man beide Arten miteinander vergleichen
kann.
Trotzdem nahm ich die Tiere mit. Nach 1,5 Stunden recht anstrengenden Rückmarsch
erreichten wir wieder die Anlegestelle unseres Bootes. Jetzt erst bemerkte ich,
dass sich auf der Wasseroberfläche in meinem Fischbehältern eine Schaumschicht
gebildet hatte und das Wasser sehr säuerlich roch. Von meinen Corydoras
war nur noch ein Tier am Leben, die anderen hatten sich gegenseitig vergiftet.
Bei Stress geben Panzerwelse ein Sekret ab, mit dem sie sich oder andere Fische
vergiften können. Obwohl ich bereits mehrere Tiere von beiden Arten hatte, war
ich doch traurig, dass die Welse gestorben waren. Erschöpft lehnte ich mich zurück
und schloss die Augen. Plötzlich spürte ich, dass mich etwas am Oberschenkel
kratzte. Ich wollte meinen Augen nicht trauen, aber da kroch doch wirklich eine
Schildkröte über meine Beine. Ich packte sie und hielt sie unserem Bootsführer
der ja am Tag zuvor die etwas größere Schildkröte auch mitnehmen wollte unter
die Nase. Mit weit aufgerissenen Augen und abwehrenden Handbewegungen
versicherte er mir, er habe sie nicht ins Boot gelegt und würde sie nicht
essen, sondern in sein Freigehege, in den bereits drei Schildkröten ihr neues
Zuhause gefunden hatten, setzen. Natürlich war diese Geschichte nach unserer Rückkehr
ins Dorf das Gesprächsthema und jeder amüsierte sich darüber, dass gerade mir
die Schildkröte über den Oberschenkel gelaufen ist. Ob die Tiere in ihrem
Gehege nur angefüttert werden um später verspeist zu werden, oder ob sie wie
bei uns als „Haustiere“ gehalten werden, kann ich nicht beurteilen. Die
Dorfbewohner versprachen mir jedoch, wenn ich im folgenden Jahr wieder nach
Surinam kommen würde, würde ich diese Tiere noch lebend antreffen. Das würden
meine Frau und ich auch gerne wieder tun, jedoch kostete uns dieser 3wöchige
Trip nach Surinam über 18.000 DM. Es gibt noch einige mir noch unbekannte
Gebiete, die ich unbedingt das nächste Mal bereisen will, um nach weiteren Corydoras-Arten
zu suchen.
Text und Fotos: Werner
Seuß
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